Der Bassist Carlo Colombara stammt aus Bologna und studierte in seiner Heimatstadt bei Paride Venturi. Erstes öffentliches Aufsehen erregte er 1986, als er beim renommierten G.B.Viotti-Wettbewerb in Vercelli als bester italienischer Sänger ausgezeichnet wurde. Im Jahr darauf gewann er in Mailand den "Concorso As.Li.Co" und debütierte in rascher Folge an einigen namhaften Opernhäusern Italiens. So sang er am römischen Teatro dell'Opera den Silva in Verdis "Ernani", am Teatro Comunale in Bologna den Seneca in Monteverdis "L'incoronazione di Poppea" und am Teatro La Fenice in Venedig den Creon in Stravinskijs "Oedipus Rex". Bald folgten die ersten internationalen Gastspiele, u.a. in Tokyo, London, Berlin und an der Wiener Staatsoper, mit denen er sich schnell einen Namen als einer der führenden Opernsänger seiner Generation machte. 1989 gab er als Procida in "I Vespri Siciliani" unter der Leitung von Riccardo Muti sein gefeiertes Debüt an der Mailänder Scala. Diesem folgten weitere erfolgreiche Auftritte an Italiens führendem Opernhaus, u.a. 1995 als Archibaldo in Montemezzis "L'amore dei tre Re", 1996 als Zaccaria in "Nabucco" sowie 1997 anläßlich der Saisoneröffnung als Banco in "Macbeth", wiederum mit Muti am Dirigentenpult.

Seither ist Carlo Colombara regelmäßig zu Gast an den führenden Bühnen im In- und Ausland, neben den genannten auch an der Bayerischen Staatsoper München, dem Londoner Royal Opera House, der Arena di Verona, dem Opernhaus Zürich, dem Teatro Colon in Buenos Aires, der New Yorker Metropolitan Opera, dem Moskauer Bolshoitheater und vielen anderen. Dabei hat er mit einer Reihe herausragender Dirigenten, darunter Bruno Bartoletti, Gary Bertini, Myung-Whun Chung, Sir Colin Davis, Gianandrea Gavazzeni, Carlo Maria Giulini, Eliahu Inbal, Vladimir Jurowski, Gustav Kuhn, Lorin Maazel, Zubin Mehta, Riccardo Muti, Daniel Oren, Antonio Pappano, Michel Plasson, Wolfgang Sawallisch, Giuseppe Sinopoli und Sir Georg Solti zusammengearbeitet.

Carlo Colombaras dunkles Timbre, seine außergewöhnliche Gesangskultur und sein vokaler Farbenreichtum machen ihn zu einem der gefragtesten Vertreter seines Stimmfachs. Kritiker im In- und Ausland betonen immer wieder die stilistische Vielseitigkeit und gestalterische Wandelbarkeit des Künstlers, dank derer ihm die machtvolle Autorität der Herrscher- und Vaterfiguren Giuseppe Verdis ebenso zu Gebote steht wie die filigranen Kantilenen des italienischen Belcanto. Dementsprechend breit gefächert ist Colombaras Bühnen- und Konzertrepertoire; zwischen Monteverdi und Puccinis "Turandot" hat er nahezu alle wichtigen Baßpartien des italienischen Repertoires verkörpert: den gütigen Sir Giorgio in Bellinis "I puritani", den intriganten Don Basilio in Rossinis "Barbiere" oder den mittellosen Philosophen Colline in "La Bohème" ebenso wie die zentralen Verdi-Rollen Filippo II, Fiesco, Padre Guardiano und Giovanni da Procida.

Zu den Höhepunkten seiner Karriere in den vergangenen Jahren gehörten neben den erwähnten Gastspielen an der Scala gefeierte Auftritte in "Don Carlo" in Zürich, Sevilla und Bologna, "Simon Boccanegra" in Paris, Zürich und München, "Aida" beim Maggio Musicale Fiorentino und an der Metropolitan Opera, "Ernani" in Madrid, Zürich und an der Wiener Staatsoper, "Macbeth" in Neapel und München, aber auch in Bellinis "Norma" an der Chicago Lyric Opera, "Il barbiere di Siviglia" am New National Theatre in Tokyo und "La Bohème" in der Arena di Verona und, in der Regie von Franco Zeffirelli, in Tel Aviv. 1997 verkörperte er unter der Leitung von Zubin Mehta den Timur in einer spektakulären Open-Air-Produktion von "Turandot" in der verbotenen Stadt in Peking. Die weltweit übertragene Aufführung ist auf CD, Video und DVD dokumentiert.
Zusätzlich zu seiner Operntätigkeit ist Carlo Colombara auch als Konzertsänger international gefragt, so gastierte er zuletzt beispielsweise in Verdis "Messa da Requiem" u.a. in Florenz, Rom, London und Neapel.

Carlo Colombara hat nicht nur zahlreiche Partien seines Opern- und Konzertrepertoires auf CD eingespielt, sondern auch an einer Reihe von Fernsehübertragungen und Videoproduktionen aus der Mailänder Scala und dem Teatro San Carlo in Neapel mitgewirkt. Er wurde mehrfach mit renommierten Preisen ausgezeichnet, darunter dem Premio Lauri Volpi 1994, dem Premio Orazio Tosi 1995, dem Premio Cappelli 1999 und dem Matassa d'Oro 2002.